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ZurückDas Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) hat am 8. Jänner 2014 die aktuellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit in den EU-Mitgliedsländern veröffentlicht. Wenig überraschend konnte Eurostat keine positiven Entwicklungen präsentieren. Vielmehr wird erneut klar, dass die europäischen Staaten in einer tiefen sozialen Krise stecken. Der radikal verordnete Sparkurs ist offensichtlich kein probater Weg aus der Misere. Außerdem verschleiert die milde Berechnungsmethode von Eurostat das wahre Ausmaß der katastrophalen Lage am europäischen Arbeitsmarkt.
Keine Trendumkehr
Für den Monat November 2013 konstatiert Eurostat insgesamt eine durchschnittliche Arbeitslosenrate von 10,9 % in den 28 Mitgliedsstaaten der EU, während die Eurozone mit 12,1 % deutlich schlechter abscheidet. Ein Rückblick auf die Daten vom November 2012 macht eines deutlich: Die Arbeitslosigkeit in Europa ist weiterhin stark im Steigen begriffen. Schließlich haben im Vergleich zu besagtem Zeitraum nun zusätzlich rund 280.000 Menschen aus den EU-28 Staaten ihren Arbeitsplatz verloren.
Europäischer Spitzenreiter im positiven Sinne ist Österreich mit 4,8 %, während Spanien (26,7 %) und Griechenland (27,4 %) mit großen beschäftigungspolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Österreichs Abschneiden: ein schmerzvoller erster Platz
Die Zahlen für Österreich sind auf den ersten Eindruck vergleichsweise positiv, da man mit der geringsten Arbeitslosenquote sogar noch vor Deutschland (5,2 %) und Luxembourg (6,1 %) liegt. Dieses Bild täuscht jedoch über die auch hierzulande steigende Arbeitslosigkeit hinweg, welche im November 2012 noch bei 4,5 % stand. In Zahlen ausgedrückt offenbart die äußerst milde Berechnungsmethode von Eurostat einen Zuwachs von immerhin 12.000 Arbeitslosen in Österreich. Bei genauerer Analyse kaschieren die Daten von Eurostat aber das wahre Ausmaß der miserablen Lage am Arbeitsmarkt in Österreich bzw. in Europa im Allgemeinen.
Wie werden diese Zahlen errechnet?
Um die Ergebnisse von Eurostat richtig deuten zu können, muss man sich auch erst einmal mit der verwendeten Berechnungsmethode auseinandersetzen. Diese kennt prinzipiell zwei Kategorien: Erwerbspersonen und Nichterwerbspersonen. Erstere Gruppe umfasst sowohl Erwerbstätige, als auch Arbeitslose, während die zweite Kategorie beispielsweise Schulpflichtige oder Arbeitsunfähige miteinschließt.
Auf Basis dieser Unterscheidung errechnet Eurostat die Arbeitslosenrate wie folgt. Als arbeitslos gilt jener Anteil der Erwerbspersonen, welcher im Zeitraum der Erhebung ohne Beschäftigung war, innerhalb von zwei Wochen zur Arbeitsaufnahme zur Verfügung stand und außerdem in den vier Wochen vor der Berechnung aktiv eine Arbeit gesucht hat. Zusätzlich werden nur Personen im Alter von 15-74 Jahren erfasst.
Im Gegensatz dazu gilt man schon als erwerbstätig, wenn man nur eine Stunde in der Bezugswoche gearbeitet hat. Der Unterschied zur Berechnungsmethode des AMS ist des Weiteren, dass Selbstständige und geringfügig Beschäftigte in die Statistik miteinfließen. Dem AMS zufolge ist die Arbeitslosigkeit in Österreich mit 8 % doppelt so hoch, als die Eurostat Studie suggeriert. Das bedeutet in Zahlen ausgedrückt mehr als 300.000 Arbeitslose für November 2013, der höchste Wert seit Jahrzehnten. Hinzu kommen für Dezember 2013 noch fast 70.000 sich in Schulungen befindlichen Personen.
Problemherd Jugendarbeitslosigkeit
Die Analyse der Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist trotz der sanften Berechnungsmethode von Eurostat alarmierend. In der Eurozone ist, wie auch insgesamt in den 28 Ländern der EU, rund jeder vierte Jugendliche arbeitslos. Im Vergleich zum November 2012 sind diese Zahlen ein Jahr später 2013 zwar europaweit geringfügig gesunken, jedoch stagnieren sie besonders in der Eurozone auf einem konstanten, erschreckend hohen Niveau.
Österreich ist mit 8,6 % knapp hinter Deutschland (7,5 %) an zweiter Stelle zu finden. Schlusslichter sind erneut Spanien (57,7 %) und Griechenland (54,8 %), wobei sich die griechischen Angaben mangels aktueller Zahlen auf September 2013 beziehen.
Frauen und Männer im Vergleich
Europaweit ist die Arbeitslosigkeit unter Männern sukzessive gestiegen und hat sich auf das stagnierende Niveau der Frauenarbeitslosenrate angeglichen (Eurozone 12,1 %; EU-28 10,9 %). Bei den Männern ist Österreich mit seiner leicht sinkenden Arbeitslosenquote (4,6 %) der europäische Maßstab und im Bereich der Frauen mit 5 % ganz knapp hinter Deutschland auf dem zweiten Rang.
Negative Spitzenreiter sind abermals wenig überraschend Spanien und Griechenland, wo rund jeder vierte Mann und jede vierte Frau arbeitslos sind. Frauen sind in beiden Ländern aber signifikant stärker von Arbeitslosigkeit betroffen.
Fazit
Zusammengefasst sind die neuesten Zahlen von Eurostat zur Arbeitslosigkeit in Europa erschütternd. Der rigide Sparkurs bringt nicht den versprochenen Aufschwung. So hat nicht nur keine Trendumkehr in der Beschäftigungsrate stattgefunden, vielmehr verschlimmert sich die bereits besorgniserregende Situation immer stärker. Besonders junge Frauen aus den von der Krise am meisten betroffenen Ländern wie Spanien, Griechenland oder Zypern leiden unter den verheerenden Entwicklungen. Österreich steht im europäischen Durschnitt vergleichsweise sehr gut dar, hat aber dennoch mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten zu kämpfen. Nach der österreichischen Berechnungsmethode des AMS sind die aktuellen Daten noch frappierender. Die Arbeitslosigkeit ist also in Wahrheit für Österreich doppelt so hoch als von Eurostat dargestellt, wobei auch noch zusätzlich dich sich in Schulungen befindlichen Personen bedacht werden müssen.
So ist die Berechnungsmethode von Eurostat insgesamt mehr als fragwürdig. Ein derart milder Ansatz verharmlost die grassierende Massenarbeitslosigkeit in Europa und beschönigt somit die schwerwiegenden Auswirkungen der Austeritätspolitik.
Weiterführende Informationen:
Eurostat-Mitteilung zur Arbeitslosenquote vom 8.1.2014
Für den Monat November 2013 konstatiert Eurostat insgesamt eine durchschnittliche Arbeitslosenrate von 10,9 % in den 28 Mitgliedsstaaten der EU, während die Eurozone mit 12,1 % deutlich schlechter abscheidet. Ein Rückblick auf die Daten vom November 2012 macht eines deutlich: Die Arbeitslosigkeit in Europa ist weiterhin stark im Steigen begriffen. Schließlich haben im Vergleich zu besagtem Zeitraum nun zusätzlich rund 280.000 Menschen aus den EU-28 Staaten ihren Arbeitsplatz verloren.
Europäischer Spitzenreiter im positiven Sinne ist Österreich mit 4,8 %, während Spanien (26,7 %) und Griechenland (27,4 %) mit großen beschäftigungspolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Österreichs Abschneiden: ein schmerzvoller erster Platz
Die Zahlen für Österreich sind auf den ersten Eindruck vergleichsweise positiv, da man mit der geringsten Arbeitslosenquote sogar noch vor Deutschland (5,2 %) und Luxembourg (6,1 %) liegt. Dieses Bild täuscht jedoch über die auch hierzulande steigende Arbeitslosigkeit hinweg, welche im November 2012 noch bei 4,5 % stand. In Zahlen ausgedrückt offenbart die äußerst milde Berechnungsmethode von Eurostat einen Zuwachs von immerhin 12.000 Arbeitslosen in Österreich. Bei genauerer Analyse kaschieren die Daten von Eurostat aber das wahre Ausmaß der miserablen Lage am Arbeitsmarkt in Österreich bzw. in Europa im Allgemeinen.
Wie werden diese Zahlen errechnet?
Um die Ergebnisse von Eurostat richtig deuten zu können, muss man sich auch erst einmal mit der verwendeten Berechnungsmethode auseinandersetzen. Diese kennt prinzipiell zwei Kategorien: Erwerbspersonen und Nichterwerbspersonen. Erstere Gruppe umfasst sowohl Erwerbstätige, als auch Arbeitslose, während die zweite Kategorie beispielsweise Schulpflichtige oder Arbeitsunfähige miteinschließt.
Auf Basis dieser Unterscheidung errechnet Eurostat die Arbeitslosenrate wie folgt. Als arbeitslos gilt jener Anteil der Erwerbspersonen, welcher im Zeitraum der Erhebung ohne Beschäftigung war, innerhalb von zwei Wochen zur Arbeitsaufnahme zur Verfügung stand und außerdem in den vier Wochen vor der Berechnung aktiv eine Arbeit gesucht hat. Zusätzlich werden nur Personen im Alter von 15-74 Jahren erfasst.
Im Gegensatz dazu gilt man schon als erwerbstätig, wenn man nur eine Stunde in der Bezugswoche gearbeitet hat. Der Unterschied zur Berechnungsmethode des AMS ist des Weiteren, dass Selbstständige und geringfügig Beschäftigte in die Statistik miteinfließen. Dem AMS zufolge ist die Arbeitslosigkeit in Österreich mit 8 % doppelt so hoch, als die Eurostat Studie suggeriert. Das bedeutet in Zahlen ausgedrückt mehr als 300.000 Arbeitslose für November 2013, der höchste Wert seit Jahrzehnten. Hinzu kommen für Dezember 2013 noch fast 70.000 sich in Schulungen befindlichen Personen.
Problemherd Jugendarbeitslosigkeit
Die Analyse der Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist trotz der sanften Berechnungsmethode von Eurostat alarmierend. In der Eurozone ist, wie auch insgesamt in den 28 Ländern der EU, rund jeder vierte Jugendliche arbeitslos. Im Vergleich zum November 2012 sind diese Zahlen ein Jahr später 2013 zwar europaweit geringfügig gesunken, jedoch stagnieren sie besonders in der Eurozone auf einem konstanten, erschreckend hohen Niveau.
Österreich ist mit 8,6 % knapp hinter Deutschland (7,5 %) an zweiter Stelle zu finden. Schlusslichter sind erneut Spanien (57,7 %) und Griechenland (54,8 %), wobei sich die griechischen Angaben mangels aktueller Zahlen auf September 2013 beziehen.
Frauen und Männer im Vergleich
Europaweit ist die Arbeitslosigkeit unter Männern sukzessive gestiegen und hat sich auf das stagnierende Niveau der Frauenarbeitslosenrate angeglichen (Eurozone 12,1 %; EU-28 10,9 %). Bei den Männern ist Österreich mit seiner leicht sinkenden Arbeitslosenquote (4,6 %) der europäische Maßstab und im Bereich der Frauen mit 5 % ganz knapp hinter Deutschland auf dem zweiten Rang.
Negative Spitzenreiter sind abermals wenig überraschend Spanien und Griechenland, wo rund jeder vierte Mann und jede vierte Frau arbeitslos sind. Frauen sind in beiden Ländern aber signifikant stärker von Arbeitslosigkeit betroffen.
Fazit
Zusammengefasst sind die neuesten Zahlen von Eurostat zur Arbeitslosigkeit in Europa erschütternd. Der rigide Sparkurs bringt nicht den versprochenen Aufschwung. So hat nicht nur keine Trendumkehr in der Beschäftigungsrate stattgefunden, vielmehr verschlimmert sich die bereits besorgniserregende Situation immer stärker. Besonders junge Frauen aus den von der Krise am meisten betroffenen Ländern wie Spanien, Griechenland oder Zypern leiden unter den verheerenden Entwicklungen. Österreich steht im europäischen Durschnitt vergleichsweise sehr gut dar, hat aber dennoch mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten zu kämpfen. Nach der österreichischen Berechnungsmethode des AMS sind die aktuellen Daten noch frappierender. Die Arbeitslosigkeit ist also in Wahrheit für Österreich doppelt so hoch als von Eurostat dargestellt, wobei auch noch zusätzlich dich sich in Schulungen befindlichen Personen bedacht werden müssen.
So ist die Berechnungsmethode von Eurostat insgesamt mehr als fragwürdig. Ein derart milder Ansatz verharmlost die grassierende Massenarbeitslosigkeit in Europa und beschönigt somit die schwerwiegenden Auswirkungen der Austeritätspolitik.
Weiterführende Informationen:
Eurostat-Mitteilung zur Arbeitslosenquote vom 8.1.2014