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Der neu erschienene Beschäftigungs- und Sozialbericht 2012 zieht eine düstere Bilanz des vergangenen Jahres. Rekordarbeitslosigkeit, steigende Armut sowie eine immer größer werdende Anzahl an jungen Menschen, die ohne Ausbildung und Arbeit dastehen, belasten die Mitgliedsstaaten. Gleichzeitig herrschen zwischen den Mitgliedsländern noch nie gesehene soziale Unterschiede. Die Europäische Kommission gibt einen pessimistischen Ausblick für das Jahr 2013.
Die Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission schafft in ihrem Bericht einen Überblick zur sozialen Lage in der Europäischen Union im Jahr 2012. Auf 469 Seiten werden die Themen Langzeitarbeitslosigkeit, Armutsentwicklung, Sozialsysteme, Steuern, Löhne und die Diskrepanz zwischen den Qualifikationen der Arbeitssuchenden und den Anforderungen der ArbeitgeberInnen behandelt. Der Bericht der Europäischen Kommission veranschaulicht somit die sozialen Auswirkungen der Krise. „Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der sich verschlechternden sozialen Lage war 2012 ein weiteres miserables Jahr für Europa“, so der zuständige EU-Kommissar Laszlo Andor. Die Zukunft sieht weiter düster aus, es sei unwahrscheinlich, dass sich die sozioökonomische Lage 2013 verbessern würde, meinte Andor.

26 Millionen Arbeitslose

Aktuell sind 26 Millionen Menschen in der EU ohne Arbeit, fast 19 Millionen davon innerhalb der Eurozone. Somit hat die Arbeitslosigkeit in der Eurozone Rekordwerte erreicht. Besonders stark betroffen sind die Länder Süd- und Osteuropas. Innerhalb der Eurozone ist eine stark steigende Diskrepanz bei der Anzahl der Jobsuchenden zwischen dem Norden und dem Süden zu beobachten: der Unterschied zwischen den Arbeitslosenquoten der Nord- und der Südstaaten stieg von 3,5 Prozentpunkten 2008 auf aktuell 7,5 Prozentpunkte. Somit ist die Kluft innerhalb der Eurozone größer und stärker angestiegen als zwischen jenen Ländern, die nicht Teil der gemeinsamen Währung sind. Auch die Jugendarbeitslosigkeit beträgt im Euroraum beunruhigende 24,4 Prozent. Die höchste Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen haben Griechenland mit 57,6 Prozent und Spanien mit 56,5 Prozent zu verzeichnen. Österreich gehört hingegen mit 9 Prozent zu den Ländern mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit Europas. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit hat einen signifikanten Anstieg erlebt und liegt in der EU bei 10,6%, verglichen mit 7,1% im Jahr 2008.

Armutsgefährdung steigt

Die steigende Arbeitslosigkeit hat zu einer noch stärkeren Armutsgefährdung geführt. Die meisten Wohlfahrtssysteme hätten die Fähigkeit verloren, Haushaltseinkommen gegen die Effekte der Krise zu schützen. Junge Menschen, alleinerziehende Mütter und arbeitslose Frauen seien besonders von Armut betroffen. Die Situation hat sich verschärft, da sich die Bruttoeinkommen der Haushalte in 2 Drittel der Mitgliedsländer zurückentwickelt haben. Am stärksten betroffen sind wiederum Griechenland, Spanien, Zypern, Estland und Irland. Um dieser Situation etwas entgegen zu setzen, möchte der Beschäftigungskommissar Andor 2013 ein Maßnahmenpaket mit sozialen Investitionen vorstellen.

Es muss jetzt gehandelt werden

Die GutachterInnen der Studie warnen davor, einseitig auf Lohnkürzungen zu setzen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Solche Maßnahmen dämmen längerfristig die Kaufkraft ein.

Um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen fordert der Beschäftigungskommissar die volle Umsetzung der nach österreichischem Vorbild gestrickten Jugendgarantie in allen Mitgliedsländern. Außerdem spricht sich die Studie für die Einführung von Mindestlöhnen aus. Die Beschäftigungsquoten seien in Ländern mit einem Mindestlohn tendenziell höher, und der Einkommmensunterschied zwischen Männern und Frauen würde in diesen Ländern weniger stark auseinandergehen. Eine weitere Maßnahme, die der Bericht anführt ist die Idee einer europaweiten Arbeitslosenversicherung. Diese würde „automatisch stabilisierend“ wirken, so die AutorInnen.

Weiterführende Informationen:

Beschäftigungs- und Sozialbericht 2012 (EN)