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Immer in Bewegung: Europäisches Mobilitätsprogramm ERASMUS feiert 30jähriges Bestehen

Erasmus ist das älteste Bildungsprogramm der Europäischen Union und eine einzigartige europäische Erfolgsgeschichte. 1987 ins Leben gerufen, feierte es am 13. Juni 2017 mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Parlamentspräsident Antonio Tajani sein 30-jähriges Bestehen.

Ursprünglich ist Erasmus (ein Akronym für: EuRopean Community Action Scheme for the Mobility of University Students) als europäisches Austauschprogramm für Studierende gestartet; zwischen 1987 und 2017 waren es rund 4.400.000. Im Vergleich: 1987 startete Erasmus mit gerade einmal 3.244 Studierenden in 11 Ländern. Mittlerweile sind 33 Länder in Europa am Programm beteiligt. Seit Österreichs Teil des Erasmusuniversums ist (1992), haben 110.000 Studierende die Gelegenheit genutzt, ein Semester oder Studienjahr im Ausland zu verbringen.

Vorrangiges Ziel von Erasmus ist es, das gegenseitige Verständnis in Europa zu fördern. Die bisherigen Ergebnisse können sich dahingehend durchaus sehen lassen: Eine europaweite Erhebung hat gezeigt, dass sich 83% der Erasmus-Geförderten stark mit Europa verbunden fühlen; 81% der mobilen Hochschulstudierenden beteiligten sich an der Europawahl 2014.

2014 wurden die bis dahin unabhängig voneinander agierenden Programme Grundtvig (Erwachsenenbildung), Comenius (Schulische Bildung) und Leonardo da Vinci (Berufliche Aus- und Weiterbildung) unter dem Dach Erasmus+ zusammengefasst und um die Bereiche Jugend und Sport erweitert. Das Budget beläuft sich für die aktuelle Programmperiode (2014-2020) europaweit auf 14,8 Milliarden Euro, wobei für Österreich etwa 220 Millionen zur Verfügung stehen. Von diesem Betrag entfallen über 43% auf die Hochschulbildung, 22% auf die berufliche Bildung, weitere 15% auf Schulbildung, 12% auf Jugend, und lediglich 5% sind für die Erwachsenenbildung reserviert. Hier zeigt sich auch schon die einzige wirkliche Schwachstelle des europäischen Mobilitätsprogramms: Gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung, profitieren Studierende nach wie vor überproportional stark von den Fördergeldern. Ein stärkerer Fokus auf die Mobilität anderer Bevölkerungsgruppen wäre vor allem auch in Hinblick auf das Ziel, die Verbundenheit zum „Projekt Europa“ zu stärken, wünschenswert.

Seit 2017 gibt es nun eine neue Initiative, die zum großen Teil aus dem Topf „Jugend“ innerhalb von Erasmus+ finanziert wird, das sogenannte Solidaritätskorps: Junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren sollen die Möglichkeit haben, unabhängig von Studium oder schulischer Ausbildung, europaweit in der Freiwilligenarbeit aktiv zu werden. Dabei sollen sie zusammen mit Hilfsorganisationen, den Gemeinden und Unternehmen vor Ort arbeiten.

Bereits mehr als 30.000 junge Menschen haben sich seit Dezember 2016 für den europäischen Freiwilligendienst registrieren lassen. Ende Mai 2017 kam nun auch der lang erwartete Richtlinienvorschlag der Kommission, der neben der Frage der Finanzierung auch detailliert die Aktivitäten, die im Rahmen des Solidaritätskorps möglich sein sollen, aufzählt: So genannte “solidarity placements” – klassische Freiwilligenarbeit von bis zu einem Jahr -“traineeship placements”, Praktika von 2 bis 6 Monaten sowie „job placements“, worunter die Vermittlung einer auf maximal 12 Monaten befristeten Arbeitsstelle in einem Bereich mit Solidaritätsbezug zu verstehen ist, die allerdings nur in Übereinstimmung mit der nationalen Gesetzgebung angeboten werden kann.

Damit reagiert die Europäische Kommission auf Kritik aus dem Europäischen Parlament, das Unklarheiten bei der Finanzierung sowie beim Umfang der Tätigkeiten bekrittelte. Dem Vorschlag der EU-Kommission steht auch der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) kritisch gegenüber: Der EGB weist darauf hin, dass Freiwilligenarbeit gut und wichtig sei, aber nicht zu einer Ausweitung von prekarisierten Beschäftigungsverhältnissen führen dürfe. Eine klare Abgrenzung der Freiwilligenarbeit zu Praktika, beruflicher Ausbildungen oder gar bezahlter Arbeit fehlt aus gewerkschaftlicher Perspektive.

Der überwältigende Andrang von Seiten junger Menschen zeigt, dass der Solidaritätskorps tatsächlich die Lücke bei der Unterstützung junger Erwachsener bei grenzüberschreitender Freiwilligenarbeit zu schließen vermag – allerdings ist noch unklar, ob sich auch genug Organisationen finden werden, die diesen die Möglichkeit zur Mitarbeit anbieten werden.

Weiterführende Informationen:

Europäische Kommission: Celebrating 30 Years of Erasmus

OEAD: Von Erasmus zu Erasmus+

AK EUROPA: Bessere Bildung für Alle?

Europäische Kommission: Europäisches Solidaritätskorps


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