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AK EUROPA: Vermögensungleichheit: Eine Gefahr für die europäische Wirtschaft?

Ungleichheit steigt in Europa. Die wissenschaftlichen Ergebnisse aus der Vermögensforschung und die politischen Implikationen wurden heiß diskutiert.

Mit zwei hochkarätig besetzten Panels haben am Dienstag AK, ÖGB und ÖNB zur Diskussion über die Vermögensungleichheit in den europäischen Staaten geladen. Die DiskutantInnen des ersten Panels präsentierten wissenschaftliche Ergebnisse zur Vermögensforschung und sprachen über die Datenlage. Aurel Schubert, Chef-Statistiker der Europäischen Zentralbank (EZB), sprach über die Motivation, warum sich die EZB mit Vermögensforschung auseinandersetzt: Die Vermögensverteilung und –zusammensetzung hat wichtige Implikationen für die Geldpolitik und Finanzstabilität in der Eurozone.

Miriam Rehm, Vermögensforscherin der AK Wien, sprach über geschlechterspezifische Unterschiede in der Vermögensverteilung. So, wie es beim Einkommen Unterschiede im Verdienst zwischen Männern und Frauen gibt, Stichwort Gender Wage Gap, ist dies beim Vermögen noch deutlich drastischer. Männer besitzen bis zu 50% mehr Vermögen, auch wenn man um Faktoren wie Alter, Bildung, Arbeitserfahrung oder Anzahl der Kinder kontrolliert. Im dritten Input sagte Martin Schürz von der ÖNB, dass die aktuellen Daten die Vermögenskonzentration noch unterschätzen würden. Mit Haushaltsbefragung erreiche man die Reichsten der Reichen nicht. Auch die Wahrnehmung der Bevölkerung spiegelt die Realität nicht wieder. Da sich „jeder“ als Mittelstand wahrnimmt, fehlt in der Bevölkerung das Bewusstsein für die hohe Vermögenskonzentration an der Spitze.

Im zweiten Panel wurden die politischen Implikationen der steigenden Ungleichheit in Europa diskutiert. Erich Foglar, Präsident des ÖGB, und Reiner Hoffmann, Präsident des DGB, diskutierten zusammen mit dem Chefökonomen von BusinessEurope, James Watson, über mögliche Handlungsableitungen gegen steigende Ungleichheit und was dies konkret für die SozialpartnerInnen auf nationaler und europäischer Ebene bedeutet.

Reiner Hoffmann betonte, dass steigende Ungleichheit, sowohl bei Vermögen wie auch bei Einkommen, eine Gefahr für den sozialen Frieden und die Demokratie darstellt. Tarifpolitik, aber auch ein fairer Mindestlohn stellen wichtige Handlungsansätze für Gewerkschaften dar. Vor allem in Deutschland brauche es wieder eine verstärkte Tarifbindung für eine faire Verteilung und der Gewerkschaftspräsident sieht hier die ArbeitgeberInnen klar in der Pflicht.

Auch Erich Foglar argumentierte, dass die Lohnpolitik das essentielle politische Instrument für Gewerkschaften ist, um sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Mittelfristig muss jeder, der in Österreich Vollzeit arbeitet, 1.700 Euro brutto verdienen. Dazu müssen niedrige Einkommen stärker entlastet werden. Die Schieflage bei der Besteuerung zwischen Vermögenseinkommen und Arbeitseinkommen kritisierte er hart. Für James Watson war klar, dass Europa aus der aktuellen Situation nur herauswachsen könne und freier Handel für das nötige Wirtschaftswachstum sorgen würde.

Ungleichheit bei Vermögen und Einkommen wird sich durch die Effekte der Digitalisierung in den kommenden Jahren noch verschärfen, wenn dies politisch nicht fair gestaltet ist. Es gäbe großes Potential an Produktivitätszuwächsen. Dies muss aber fair über die Bevölkerung verteilt werden, sind sich die beiden Gewerkschaftspräsidenten einig.

Weiterführende Informationen:

Präsentation Miriam Rehm - Gender Wealth Gap

Präsentation Aurel Schubert - The distribution of wealth and why we care

Präsentation Martin Schürz - Wealth in the Euro Area

Fotos der Veranstaltung

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Photo: Julie de Bellaing
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