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EU-Konjunkturprognose offenbart: Finanzkrise ist in Realwirtschaft angekommen

Die nahe wirtschaftliche Zukunft Europas sieht alles andere als rosig aus. Im Sog der Finanzkrise verschlechtern sich die Aussichten für realwirtschaftliche Indikatoren wie Wachstum und Beschäftigung beträchtlich. So lautet die Grundaussage der EU-Herbstprognose, die Wirtschafskommissar Joaquín Almunia am Montag präsentierte.

„Der wirtschaftliche Horizont hat sich jetzt erheblich verdüstert, da die EU die Folgen der Finanzkrise zu spüren bekommt, die sich im Herbst verschlimmert und das Vertrauen bei Unternehmen und Verbrauchern beeinträchtigt“, führte Almunia aus. Im Vergleich zum Vorjahr dürfte sich das Wirtschaftswachstum der EU-27 heuer halbieren – und zwar von 2,9% auf 1,4% des BIP. Für 2009 erwartet die Kommission in ihrer am Montag veröffentlichten Herbstprognose gar, dass das BIP-Wachstum „fast zum Stillstand kommt“ und bei kargen 0,2% liegen wird. Nach diesem Einbruch werde sich die Konjunktur erst 2010 wieder schrittweise erholen und die Wirtschaft voraussichtlich um 1,1% wachsen. Noch pessimistischer als für die EU-27 ist die Kommission hinsichtlich der Wachstumsraten für die Euro-Länder, die sie 2008 bei 1,2%, 2009 bei 0,1% und 2010 bei 0,9% erwartet. Österreich liegt mit 1,9% heuer und 0,6% bzw. 1,3% in den nächsten zwei Jahren jeweils über dem Schnitt. Indes droht Deutschland, Italien und Frankreich 2009 ein Nullwachstum, Großbritannien sogar ein Negativwachstum. In ihrer Frühjahrsprognose hatte die Kommission für die EU-27 übrigens noch Wachstumsraten von 2,0% für 2008 und 1,8% für 2009 vorhergesagt. Bereits vergangene Woche hatte die Kommission bekanntgeben müssen, dass ihre Indikatoren eine dramatische Verschlechterung sowohl der allgemeinen wirtschaftlichen Stimmung als auch des Geschäftsklimas in der EU anzeigen.

Auch die europäischen Arbeitsmärkte werden gehörig in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem vergleichsweise starken Beschäftigungswachstum in den vergangenen beiden Jahren (im EU-Schnitt 1,5% bzw. 1,7%) prognostiziert die Kommission für heuer nur mehr einen Beschäftigungszuwachs von 0,9%. Für nächstes Jahr sagt sie hingegen einen EU-weiten Rückgang von 0,5% voraus. Gleichzeitig erwartet sie im EU-Durchschnitt einen Anstieg der Arbeitslosenrate von 7,0% heuer auf 7,8% bzw. 8,1% in den kommenden beiden Jahren.

Doch hat die Kommission auch etwas – zumindest für sie – Erfreuliches zu berichten. Mit der drastischen Eintrübung der Konjunkturaussichten wird nämlich die Verhandlungsmacht der ArbeitnehmerInnen (weiter) geschwächt. Diese werden ihre Lohn- und Gehaltsforderungen zurückschrauben müssen, was wiederum das (in den Augen der Kommission offenbar primär von Lohnkosten gespeiste) Schreckgespenst der Inflation verscheucht. O-Ton der Kommission: „Positiv ist zu vermerken, dass der Inflationsdruck wegen der sinkenden Ölpreise abnimmt und dass sich die Risiken von Zweitrundeneffekten abschwächen.“

Mit diesen Aussichten steigt die Notwendigkeit staatlicher Konjunkturpolitik, wie zunehmend auch die Kommission anzuerkennen scheint. So gab Kommissar Almunia die Devise aus: „Wir müssen auf EU-Ebene koordiniert handeln, um die Wirtschaft zu unterstützen - in der Art, wie wir es für den Finanzsektor getan haben. Die Kommission hat letzte Woche ihre Vorstellungen für Maßnahmen zur Ankurbelung der Nachfrage erläutert. Wir möchten jetzt die Vorstellungen der Mitgliedstaaten hören und dann zu einem Konzept für ein gemeinsames Vorgehen auf EU-Ebene kommen.” Bleibt abzuwarten, wie viel Gehör dabei ArbeitnehmerInnenvertreter bekommen.


Weiterführende Informationen:

 
Pressemitteilung: Herbstprognose 2008-2010: BIP-Wachstum in der EU und im Eurogebiet kommt fast zum Stillstand

 
Gesamte Studie: Economic Forecast Autumn 2008

 
Pressemitteilung: Economic sentiment falls significantly in both the EU and the euro area

 
Pressemitteilung: Business Climate Indicator for the euro area decreases further


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Foto: sajola / Quelle: PHOTOCASE
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