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Scheitern des Finanzkapitalismus: Brisante Studien von ILO und OECD

Während das politische und wirtschaftliche Scheitern des Finanzkapitalismus am Beispiel der billionenschweren Rettungspakete für die europäischen Banken immer deutlicher wird, zeigen jetzt auch eine Reihe von Studien weitere brisante Auswirkungen der Liberalisierungs- und Marktideologie der vergangenen Jahrzehnte.


Neben einer kritischen, vom Ausschuss für Sozialschutz verfassten Studie zur privaten Pensionsvorsorge (siehe nebenstehenden Artikel auf der AK EUROPA-Website) sind insbesondere die Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zu „Einkommensungleichheiten im Zeitalter der finanziellen Globalisierung“ sowie die Studie „Growing Unequal“ der OECD in Paris zu nennen. Die wenig erfreulichen Ergebnisse dieser Studien sind:

  • Einkommensungleichheiten waren aufgrund der finanziellen Globalisierung bereits vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Steigen, die Krise wird sie aber noch weiter verschärfen.
  • Das vielgepriesene Beschäftigungswachstum war nicht nur sehr unterschiedlich auf die Länder der Welt verteilt, sondern ging vor allem auch mit einer Umverteilung des Einkommens zu Lasten der ArbeitnehmerInnen einher. In 51 von 73 von der ILO untersuchten Ländern nahm der Anteil der Arbeitseinkommen an der Wirtschaftsleistung in den vergangenen beiden Jahrzehnten ab – über alle Kontinente hinweg, und auch in den sogenannten entwickelten Volkswirtschaften (-9 Prozentpunkte): Ein deutlicher Hinweis auf schlechter bezahlte Arbeitsplätze.
  • Zwei Drittel der von der ILO untersuchten Länder hatten zwischen 1990 und 2005 eine Zunahme der Einkommensungleichheiten zwischen Reich und Arm zu verzeichnen: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.
  • Der gleiche Trend ist bei den Managergehältern zu beobachten: Verdienten in den USA im Jahr 2003 Topmanager noch 360-mal so viel wie ihre durchschnittlichen Angestellten, so übertrafen  sie ihre Mitarbeiter im Jahr 2007 um das 500fache.
  • Und so wird es auch weiter gehen, wenn die Politik nicht gegensteuert: Die ILO geht davon aus, dass die Finanzkrise und die steigenden Energie- und Lebensmittelkosten die einkommensschwachen Haushalte weiterhin überproportional belasten werden.

 
Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kommt in ihrer neu erschienenen Studie zu ähnlichen Ergebnissen:

  • Das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte kam in erster Linie den Reichen zugute. In Ländern wie Deutschland, Italien, Finnland, Kanada, USA ging außerdem noch die Schere zwischen Reichen und der Mittelklasse auseinander; ein klares Indiz dafür, dass hier die Mittelschichten schrumpfen.
  • Die soziale Mobilität – verklausulierte Chiffre für die Chance von ärmeren Menschen, aus der Armut aus eigener Kraft wieder herauszukommen – ist in Ländern wie Italien, Großbritannien und den USA, die hohe Einkommensungleichheiten haben, deutlich geringer. Wer in diesen Ländern arm ist, bleibt in der Regel auch arm.
  • Kinder und Jugendliche in den untersuchten OECD Ländern – immerhin die reichsten Länder der Erde – haben heute ein 25% höhere Armutswahrscheinlichkeit als der Durchschnittsbürger – eine besonders brisante Erkenntnis.

 
Oxford-Professor Anthony Atkinson meint in einem Artikel zum OECD-Bericht, dass die Untersuchung der 30 OECD-Mitglieder – darunter auch Österreich – ergeben hätte, dass seit Mitte der 1980er Jahre Einkommensungleichheiten und Armut zugenommen hätten. Seit der Zeit also, als der damalige US-Präsident Reagan die ideologische Wende eingeleitet hat, nach der nur jener Staat ein guter Staat sei, der die Wirtschaft sich selbst überlasse. „Hands off“, so Reagan wörtlich. Ergebnis war eine beispiellose Deregulierungswelle, die über mehr als 2 Jahrzehnte ihren „Siegeszug“ um die Welt hielt und der auch die Europäische Union willig folgte. Mit den bekannten Resultaten bis hin zur gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise. So fordert auch der Generalsekretär der OECD, Angel Gurriá, als Reaktion auf den Bericht politische Maßnahmen gegen die wachsende Ungleichheit. „Die wachsenden Ungleichheiten einfach zu ignorieren ist keine Option“, so Gurriá. Politik: Bitte handeln!

 
Weiterführende Informationen:

ILO: World of Work Report 2008. Income Inequalities in the Age of Financial Globalization

OECD: Growing Unequal? Income Distribution and Poverty in OECD Countries

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Foto: C-PROMO.de / Quelle: PHOTOCASE
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